Infrarot-Webcam

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Über Webcams

Während Webcams noch vor einigen Jahren eine nette Spielerei waren, haben sie heute einiges an ihrer Faszination eingebüßt. Jeder Depp hat heute eine 20-Megapixel-Kamera irgendwo zwischen integriertem Kaffeewärmer und der Antenne für den interstellaren Breitbandfunk fest in seinem Notebook integriert - mit Wechselobjektiven und einem sturmfesten Hochleistungsmikrofon auf Aufpreis.

Um so trostloser wirkt da das Bild meiner alten QuickCam Web - 320x240 Pixel, natürlich noch ein Bayer-Filter drüber, mit ordentlich Farbrauschen, damit es sich auch so richtig lohnt. Das ganze bei lausigen Bildwiederholraten. Was also tun, damit dieses Altgerät nach §3(3) ElektroG doch noch einen gewissen Charme zurückerlangt?

Richtig, man verschiebt das Aufnahmespektrum in den Infrarotbereich. Ist zwar auch nix neues, macht aber furchtbar Spaß, nachher damit rumspielen zu können.

Umbau

Also das Ding fix aufgeschraubt und auseinandergenommen, auf der Suche nach dem Infrarot-Filter. Die verbauten CCDs sind nämlich in der Regel für einen weitaus größeren Bereich geeignet, haben nur einen optischen Highpass-Filter irgendwo auf der optischen Achse kleben. Prinzipiell.

Die QuickCam Web hat diesen Filter unmittelbar in ihrem Hochleistungsobjektiv integriert - kurz, die haben doch allen Ernstes dieses Zeug auf die einzige vorhandene Linse gepinselt. Mit Essig, Lösungsmittel und einiger mechanischer Gewalt kriegt man aber zumindest die oberen Schichten nach einer ganzen Weile herunter. Was bleibt, ist noch immer ein rötlicher Schimmer, trotzdem sind die Ergebnisse letzten Endes aber dann doch überzeugend.

Um hohe Frequenzen auszuschließen, muss jetzt noch ein Lowpass-Filter eingebastelt werden. Hierzu eignen sich - wie man auf vielen Webseiten dokumentiert findet - zwei Lagen weiß belichteten und entwickelten Farbnegativfilms. Diesen kann man im Übrigen in der großen grünen Kiste ganz oben hinten im Schrank finden, der mit dem analogen Fotoarchiv: Die ersten 2-3 Bilder eines Negativstreifens sind nämlich oft entwickelt zurückgegeben worden, obwohl es sich noch um den Rest der "Einfädellasche" handelt. Aus diesem schwarzen Stück Film schnipselt man sich also zwei Lagen zurecht und setzt sie im Fall der QuickCam in den dafür vorgesehenen Rahmen ein. Wirklich, da gibts eine schwarze Linsenhalterung vor dem CCD, die scheinbar einfach nichts tut. Ideal also für den neuen Filter. Schnell den Rest wieder zusammengesetzt und es kann losgehen.

Bilder

Im Infrarotbereich sieht vieles ganz anders aus als im sichtbaren Bereich. Plötzlich werden ein Glas Cola und Sonnenbrillen durchsichtig, Monitore zeigen nichts mehr an, oder Geldscheine verlieren einen großen Teil ihrer Farbe. An letzterem musste sich dann gleich auch mein schwarzes T-Shirt ein Vorbild nehmen, um dann auch mal ein weißes zu immitieren. Was auch lustig ist, Tintenstrahldruckertinte scheint komplett zu verschwinden, während Toner immer noch richtig klar zu lesen ist.

Es gibt auch Dinge, die in IR genau so beschissen ausschaun wie im sichtbaren Bereich... Das Farbbluten der QuickCam ist hier auch nicht besser, nur... grau... :-(

Und an dieser Stelle gleich noch eine Meldung ans Europarl: Ich hasse euch! Wenn ich hier bei mir die Energiespar-Deckenlampen anmache, ist zappenduster! Nur meine kleine Halogen-Schreibtischlampe strahlt noch genügend Infrarotlicht ab. Ich glaub, ich muss mir demnächst wirklich eine Ladung Kohlefadenlampen aus Russland einschmuggeln oder ein superhelles IR-LED-Array zulegen.

Apropos LED, die Wii-Sensorbar hat 2x 5 furchtbar helle LEDs, je angeordnet in der Form o ooo o. Weiß ich jetzt. Tolle Sache.


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